Jahrelang unerkannte Zöliakie und die dadurch entstandenen Schäden im Dünndarm können dazu führen, dass wichtige Nährstoffe nicht mehr ausreichend aufgenommen werden. Eisen, Vitamin B12, Vitamin D, Folsäure oder Zink gehören zu den Mängeln, die nach der Diagnose häufig festgestellt werden.
Deshalb empfehlen Ärztinnen und Ärzte gerade in den ersten Monaten nach der Diagnose oft Nahrungsergänzungsmittel, um den Körper bei der Regeneration zu unterstützen.
Ich erinnere mich noch gut daran, wie erleichtert ich war, als ich endlich das Gefühl hatte, meinem Körper etwas zurückgeben zu können – all die Nährstoffe, die ihm so lange gefehlt hatten.
Damit tauchte eine neue Frage auf.
Sind Nahrungsergänzungsmittel eigentlich überhaupt glutenfrei?
An Vitamine, Probiotika, Verdauungsenzyme, Magnesium oder Proteinpulver denken die wenigsten von uns als mögliche Glutenquelle. Schließlich sollen sie unserer Gesundheit helfen – nicht schaden.
Für Menschen mit Zöliakie können Nahrungsergänzungsmittel jedoch manchmal für Unsicherheit sorgen.
Die eigentliche Herausforderung besteht darin zu wissen, worauf du achten musst, welche Fragen sinnvoll sind und wie du Produkte auswählst, die wirklich sicher sind.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Fragen zu Zöliakie, Nahrungsergänzungsmitteln oder deiner individuellen Gesundheit solltest du dich immer an deine behandelnde Ärztin oder deinen behandelnden Arzt wenden.
Können Nahrungsergänzungsmittel Gluten enthalten?
Ja – einige Nahrungsergänzungsmittel können Gluten enthalten.
Gluten wird zwar nur selten bewusst als Bestandteil zugesetzt, kann aber in Hilfsstoffen wie Füllstoffen, Bindemitteln, Überzügen, Aromen oder anderen Zutaten vorkommen, die während der Herstellung verwendet werden.
Hinzu kommt, dass Nahrungsergänzungsmittel häufig in Produktionsstätten hergestellt werden, in denen auch glutenhaltige Produkte verarbeitet werden. Dadurch kann es zu einer Kreuzkontamination kommen.
Für die meisten Menschen spielt das keine große Rolle.
Für Menschen mit Zöliakie hingegen können bereits kleinste Mengen Gluten eine Immunreaktion auslösen und den Dünndarm erneut schädigen.
Warum Gluten in Nahrungsergänzungsmitteln so leicht übersehen wird
Als ich mich zum ersten Mal intensiver mit Nahrungsergänzungsmitteln beschäftigt habe, hat mich eines besonders überrascht:
Eine Zutatenliste auf einem Nahrungsergänzungsmittel liest sich oft ganz anders als die auf einem Lebensmittel.
Bei Lebensmitteln kennen wir die meisten Zutaten. Auf Nahrungsergänzungsmitteln findet man dagegen häufig lange Listen mit Fachbegriffen und Inhaltsstoffen, die kaum jemand auf Anhieb versteht.
Noch komplizierter wird es dadurch, dass Allergenkennzeichnung und glutenfreie Kennzeichnung nicht dasselbe sind.
Viele Menschen achten automatisch auf Weizen, weil dieser häufig besonders hervorgehoben wird. Gluten kann jedoch ebenso aus Gerste, Roggen, Malz oder daraus hergestellten Zutaten stammen.
Und genau hier wird es etwas komplizierter.
In den USA muss Weizen als Hauptallergen gekennzeichnet werden. Für Gerste und Roggen gelten diese Kennzeichnungspflichten jedoch nicht. Wer lediglich nach dem Hinweis „Enthält Weizen“ sucht, kann deshalb leicht glutenhaltige Produkte übersehen.
In der Europäischen Union und im Vereinigten Königreich müssen glutenhaltige Getreidearten wie Weizen, Gerste, Roggen und Hafer dagegen in der Zutatenliste deutlich gekennzeichnet werden. Dadurch lassen sich mögliche Glutenquellen deutlich leichter erkennen.
Unabhängig davon, in welchem Land du lebst, gilt jedoch derselbe Grundsatz:
Verlass dich nicht ausschließlich auf Allergenhinweise, sondern lies immer die vollständige Zutatenliste.
Zutaten, die auf Gluten hinweisen können
Wenn du die Zutatenliste eines Nahrungsergänzungsmittels prüfst, solltest du unter anderem auf folgende Begriffe achten:
- Weizen
- Weizenkeime
- Weizenstärke
- Gerste
- Gerstengras (sofern nicht ausdrücklich glutenfrei)
- Roggen
- Malz oder Malzextrakt
- hydrolysiertes Weizenprotein
- Bierhefe (je nach Herkunft)
Bei einigen Zutaten lohnt sich außerdem ein zweiter Blick.
Ein Beispiel sind Beta-Glucane. Sie werden häufig aus Hafer gewonnen. Hafer enthält zwar von Natur aus kein Gluten, kommt beim Anbau oder bei der Verarbeitung jedoch oft mit Weizen, Gerste oder Roggen in Kontakt. Deshalb solltest du darauf achten, dass der verwendete Hafer ausdrücklich als glutenfrei zertifiziert ist.
Wenn du dir bei einer Zutat unsicher bist, ist es oft am einfachsten, direkt beim Hersteller nachzufragen.
Was bedeutet „glutenfrei“ auf Nahrungsergänzungsmitteln?
Sowohl in den USA als auch in Europa gilt für Nahrungsergänzungsmittel derselbe Grenzwert wie für glutenfreie Lebensmittel.
Ein Produkt darf als glutenfrei bezeichnet werden, wenn es weniger als 20 ppm (parts per million) Gluten enthält. Dieser Grenzwert gilt als sicher für Menschen mit Zöliakie.
Wichtig zu wissen ist jedoch:
Die Kennzeichnung „glutenfrei“ ist freiwillig.
Das bedeutet, dass ein Nahrungsergänzungsmittel durchaus sicher sein kann, auch wenn kein entsprechender Hinweis auf der Verpackung steht. Entscheidet sich ein Hersteller jedoch dafür, sein Produkt als glutenfrei zu kennzeichnen, muss es die gesetzlichen Anforderungen erfüllen.
Können Nahrungsergänzungsmittel durch Kreuzkontamination belastet sein?
Hier wird das Thema etwas komplexer.
Viele Nahrungsergänzungsmittel enthalten überhaupt keine glutenhaltigen Zutaten. Das größere Risiko besteht häufig in einer möglichen Kreuzkontamination während der Herstellung.
So kann ein Hersteller beispielsweise glutenfreie Produkte auf denselben Anlagen produzieren wie Produkte mit weizenhaltigen Inhaltsstoffen.
Das bedeutet nicht automatisch, dass das Produkt unsicher ist. Es zeigt jedoch, wie wichtig Hersteller sind, die transparente Qualitätskontrollen und klare Herstellungsverfahren haben.
Wenn du den Unterschied zwischen glutenhaltigen Zutaten und Kreuzkontamination kennst, fällt die Auswahl geeigneter Nahrungsergänzungsmittel oft deutlich leichter.
Ist eine unabhängige Zertifizierung notwendig?
Nein.
Ein Nahrungsergänzungsmittel muss nicht zusätzlich zertifiziert sein, um glutenfrei zu sein.
Viele seriöse Hersteller bieten sichere glutenfreie Produkte an, ohne eine externe Zertifizierung zu verwenden.
Eine unabhängige Zertifizierung kann jedoch zusätzliche Sicherheit geben – besonders für Menschen, die sehr empfindlich auf Kreuzkontamination reagieren oder einfach ein besseres Gefühl beim Kauf haben möchten.
Sie ist also ein zusätzlicher Vertrauensnachweis, aber nicht die einzige Voraussetzung für ein sicheres Produkt.
So findest du sichere Nahrungsergänzungsmittel bei Zöliakie
Mit der Zeit habe ich mir ein paar einfache Gewohnheiten angewöhnt, die den Einkauf deutlich entspannter machen.
- Achte auf eine glutenfreie Kennzeichnung. Sie ist ein guter erster Hinweis.
- Lies immer die vollständige Zutatenliste. Verlass dich nicht nur auf Allergenhinweise.
- Wähle seriöse Hersteller. Unternehmen, die offen über ihre Rohstoffe, Herstellung und Qualitätskontrollen informieren, schaffen meist mehr Vertrauen.
- Frag im Zweifel nach. Seriöse Hersteller beantworten Fragen zu Gluten und Kreuzkontamination in der Regel gerne.
Nahrungsergänzungsmittel können nach einer Zöliakie-Diagnose eine wichtige Rolle spielen – insbesondere dann, wenn bestehende Nährstoffmängel ausgeglichen werden sollen.
Die gute Nachricht ist: Die meisten Nahrungsergänzungsmittel enthalten kein Gluten.
Trotzdem lohnt es sich, vor dem Kauf kurz genauer hinzusehen.
Wenn du weißt, worauf du bei der Zutatenliste achten musst, mögliche Glutenquellen kennst und auf vertrauenswürdige Hersteller setzt, kannst du deinen Körper mit gutem Gefühl unterstützen.
Wenn du gerade erst lernst, glutenfrei zu leben, wirst du schnell merken: Nahrungsergänzungsmittel sind nur eine von vielen möglichen versteckten Glutenquellen. In meinem Artikel über verstecktes Gluten findest du weitere Produkte und Lebensmittel, bei denen sich ein genauer Blick lohnt.
Fragen & antworten
Sind alle Nahrungsergänzungsmittel glutenfrei?
Nein. Die meisten Nahrungsergänzungsmittel enthalten zwar kein Gluten, einige können jedoch glutenhaltige Zutaten oder Hilfsstoffe enthalten. Außerdem besteht bei manchen Produkten das Risiko einer Kreuzkontamination während der Herstellung. Deshalb lohnt es sich, die Zutatenliste sorgfältig zu prüfen.
Welche Nahrungsergänzungsmittel werden bei Zöliakie häufig empfohlen?
Das hängt von den individuellen Blutwerten ab. Häufig werden nach der Diagnose Mängel an Eisen, Vitamin B12, Vitamin D, Folsäure oder Zink festgestellt. Welche Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sind, sollte immer gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt anhand der Laborwerte entschieden werden.
Worauf sollte ich beim Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln achten?
Achte auf eine vollständige Zutatenliste, eine glutenfreie Kennzeichnung (wenn vorhanden) und seriöse Hersteller, die transparent über ihre Herstellung und Qualitätskontrollen informieren. Im Zweifel lohnt es sich, direkt beim Hersteller nachzufragen.
Bedeutet eine glutenfreie Kennzeichnung, dass das Produkt sicher ist?
Ja. Produkte, die als glutenfrei gekennzeichnet sind, müssen die gesetzlichen Anforderungen erfüllen und dürfen höchstens 20 ppm Gluten enthalten. Dieser Grenzwert gilt als sicher für Menschen mit Zöliakie.
Können Medikamente ebenfalls Gluten enthalten?
Ja. Manche Medikamente enthalten glutenhaltige Hilfsstoffe oder werden in Betrieben hergestellt, in denen auch glutenhaltige Produkte verarbeitet werden. Deshalb solltest du auch bei Medikamenten die Inhaltsstoffe prüfen oder deine Apotheke fragen.
Können Proteinpulver oder Probiotika Gluten enthalten?
Ja. Obwohl viele Produkte glutenfrei sind, können einige Proteinpulver, Probiotika oder Verdauungsenzyme glutenhaltige Zutaten oder Spuren von Gluten enthalten. Prüfe deshalb auch hier immer die Zutatenliste oder achte auf eine glutenfreie Kennzeichnung.
Sind Nahrungsergänzungsmittel mit Hafer sicher?
Das kommt darauf an. Enthält ein Produkt Hafer oder Beta-Glucane aus Hafer, sollte der verwendete Hafer ausdrücklich als glutenfrei gekennzeichnet sein. Außerdem vertragen manche Menschen mit Zöliakie selbst zertifizierten glutenfreien Hafer nicht.
Ist eine unabhängige Zertifizierung notwendig?
Nein. Viele vertrauenswürdige Hersteller bieten sichere glutenfreie Nahrungsergänzungsmittel ohne zusätzliche Zertifizierung an. Eine unabhängige Zertifizierung kann jedoch zusätzliche Sicherheit geben und das Vertrauen in ein Produkt stärken.




